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Was die Wissenschaft zum Apnoetraining sagt: 4 Studien verständlich erklärt

Vier peer-reviewte Studien zum Apnoetraining: was sich verbessert, wie schnell, wie groß der Effekt ist – und was die Daten nicht hergeben.

Jan Luther
10. Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit
Balkendiagramm gemessener Trainingseffekte: +70 % Gesamt-Apnoezeit, Struggle-Phase von 18 auf 45 Sekunden (O'Croinin 2025) und +60 % Struggle-Phase (Bourdas & Geladas 2024)

Ja, Apnoetraining wirkt – und die Zeitskala beträgt etwa zwei Wochen. Die peer-reviewte Literatur zeigt für trockenes Apnoetraining einen großen Effekt auf die statische Haltezeit (Hedges g = 1,30), einen verbesserten Tauchreflex, eine langsamere Entsättigung – und einen Großteil der frühen Wirkung auf psychologischer, nicht hämatologischer Ebene. Hier sind die vier Studien, die man kennen sollte, was jede gemessen hat – und was keine davon zeigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trockenes Apnoetraining hat einen großen, mehrfach bestätigten Effekt auf die statische Haltezeit: Hedges g = 1,30 über 10 Protokolle aus 8 Studien.
  • Die Zeitskala liegt bei rund zwei Wochen. Zwei getrennte Studien fanden nach je 14 Tagen täglicher Holds große Veränderungen.
  • Der Zuwachs steckt in der Struggle-Phase, nicht in der bequemen. Die Struggle-Phase ist die Strecke zwischen der ersten unwillkürlichen Kontraktion und dem Abbruch.
  • Was sich nicht änderte: Hämatokrit und Hämoglobin blieben nach zwei Wochen unbewegt. Atemstopps sind keine Abkürzung zum Blutbild eines Höhentrainings.

1. O’Croinin et al. 2025 — +70 % in 13 Tagen, fast alles mental

22 Anfänger:innen trainierten 13 Tage lang und kombinierten Atemstopps mit gezieltem psychologischem Coaching (Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism, 2025, DOI 10.1139/apnm-2025-0033).

MessgrößeVorherNachherp
Gesamt-Apnoezeit44 ± 21 s75 ± 33 s< 0,001
Easy-Going-Phase26 ± 12 s30 ± 17 s0,329
Struggle-Phase18 ± 18 s45 ± 34 s< 0,001
Tauchbradykardie−10 ± 11 bpm−20 ± 13 bpm< 0,001
HF-Reaktion auf Stroop-Test10 ± 7 bpm6 ± 5 bpm0,009

Lies die zweite Zeile noch einmal. Der bequeme Teil des Holds veränderte sich nicht signifikant. Der gesamte sichtbare Fortschritt kam aus der Struggle-Phase, die sich mehr als verdoppelte. Was das Training bewirkte, betraf vor allem das Verhältnis zum Unbehagen.

Die letzte Zeile ist der stille Star. Ein Stroop-Test ist ein gängiger kognitiver Stressor – man benennt die Druckfarbe eines Wortes, während das Wort selbst eine andere Farbe buchstabiert – und hat mit Atmung nichts zu tun. Die Herzfrequenzreaktion darauf war nach zwei Wochen Apnoetraining gedämpft. Das ist ein Transfereffekt: Die Fähigkeit blieb nicht in ihrer Schublade.

2. Bourdas & Geladas 2024 — Novizen gegen Elite

Zehn Novizen und elf Elite-Apnoetaucher:innen absolvierten zwei Wochen trockenes Apnoetraining (Respiratory Physiology & Neurobiology 319:104168; PMID 37797907).

Tägliche Maximal-Apnoen verlängerten die Struggle-Phase um durchschnittlich 59,7 %. Die Vergleichsgruppe ist hier entscheidend. Der physiologische Breakpoint ist der Punkt, an dem die Chemorezeptoren eine untrainierte Person zum Einatmen zwingen würden – und Trainierte schieben ihn weit hinaus. Diese Fähigkeit ist trainierbar, und der Abstand zwischen Novizen und Elite ist überwiegend ein Toleranz- und kein Lungenvolumen-Unterschied.

3. Engan et al. 2013 — der Tauchreflex wird schneller, das Blut ändert sich nicht

Untrainierte trainierten zwei Wochen lang täglich (Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 2013, 23:340–348). Zwei Befunde:

  • Die Tauchbradykardie setzte rund 3 Sekunden früher ein. Der sauerstoffsparende Herzfrequenzabfall kam früher im Hold.
  • Die Entsättigung verlief langsamer. Bei gleicher Haltedauer und ähnlichem Lungenvolumen lag das Nadir-SpO₂ vor dem Training bei 84 %, danach bei 89 % – derselbe Hold kostete weniger Sauerstoff.

Und der Negativbefund, wohl der nützlichste Satz dieses Artikels: Hämatokrit und Hämoglobin änderten sich in zwei Wochen nicht. Die beliebte Erzählung, ein paar Wochen Atemstopps brächten einen EPO-artigen Blutschub, ist nicht gedeckt. Milzkontraktion und langfristige höhentrainingsartige Anpassungen sind eigene Fragen auf eigenen Zeitskalen; zwei Wochen Trockentabellen leisten das nicht.

4. Massini et al. 2022 — die Meta-Analyse

Ein systematisches Review mit Meta-Analyse (PROSPERO CRD42021230322) bündelte 10 Protokolle aus 8 Studien mit 138 Teilnehmenden (Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 62).

Der Effekt auf die statische Apnoezeit war groß: Hedges g = 1,30; 95-%-KI 0,85–1,76; p < 0,01. Alle drei untersuchten Trainingsformen – reines Atemanhalten, körperliches Training und Cross-Training – führten zu Verbesserungen, ohne dass sich eine als die beste herauskristallisierte.

Dieser letzte Satz ist keine Enttäuschung, sondern eine klare Ansage fürs Training. Wenn keine Methode grundsätzlich überlegen ist, dann ist die richtige die, die zu deinem Ausgangswert, deinem Kalender und deiner Erholung passt – genau deshalb ist ein Plan, der sich an die Person anpasst, mehr wert als eine feste Tabelle aus dem Forum.

Was das für dein Training bedeutet

6-Wochen-Progression im Überblick

Stell deine Baseline ein und sieh, wie ein progressiver Plan die Haltezeit Woche für Woche skaliert. Die App erstellt und justiert das automatisch.

Woche Zielhaltezeit Schwerpunkt
1 1:05 Entspannung & Breathe-up
2 1:10 CO₂-Toleranz, kurze Pausen
3 1:15 CO₂-Toleranz, längere Holds
4 1:20 Toleranz in der Struggle-Phase
5 1:25 Gemischte CO₂-/O₂-Arbeit
6 1:30 Maximalversuch & Deload

Verwendete Skalierung: Haltezeit = Baseline × (1 + 0,09 × Woche)

Vier praktische Schlüsse:

  1. Erwarte Bewegung in 2–6 Wochen. Beide Trainingsstudien mit 14 Tagen Arbeit zeigten große Veränderungen. Wenn sechs Wochen konsequentes Training nichts bringen, ist die zu prüfende Variable die Konstanz, nicht die Genetik.
  2. Trainiere die Struggle-Phase, nicht die Easy-Phase. Die Easy-Going-Phase ist kurzfristig weitgehend festgelegt. Der Zugewinn liegt in der Toleranz – wofür CO₂-Tabellen gemacht sind.
  3. Psychologie ist kein weiches Extra. In der einzigen Studie, die sie gezielt coachte, trug sie das Ergebnis. Die Entspannungshälfte dieser Fähigkeit übt das yogische Atemanhalten seit Jahrhunderten.
  4. Miss immer gleich. Effekte dieser Größe gehen in verrauschten Messungen leicht unter. Nutze einen wiederholbaren Baseline-Test.

Was die Studien nicht hergeben

Wer sich auf Studien beruft, muss auch sagen, wo sie aufhören:

  • Sie sagt nicht, dass Apnoetraining im Wasser ohne Aufsicht sicher wäre. Dass all diese Studien an Land stattfanden, ist kein Zufall.
  • Sie zeigt in zwei Wochen keine bessere Sauerstofftransportkapazität des Blutes (Engan maß das Gegenteil).
  • Sie kürt keine beste Methode (Massini hat gesucht und keine gefunden).
  • Die Stichproben sind durchweg der Schwachpunkt – 10 bis 22 Personen pro Studie, 138 zusammengenommen. Die Effekte sind groß und einheitlich, aber die Forschung dazu ist jung, und die Studien unterscheiden sich methodisch genug, dass ihr Zusammenwerfen selbst eine Ermessensfrage ist. Die Richtung ist klar, die Genauigkeit nicht.

Quellen

  • O’Croinin, O. et al. (2025). Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism. DOI 10.1139/apnm-2025-0033
  • Bourdas, D. I. & Geladas, N. D. (2024). Respiratory Physiology & Neurobiology 319:104168. PMID 37797907
  • Engan, H. et al. (2013). Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 23:340–348. PMID 23802288
  • Massini, D. A. et al. (2022). Journal of Sports Medicine and Physical Fitness 62. PROSPERO CRD42021230322.

Alle Quellen oben verlinken auf die jeweilige Zusammenfassung. Jeder Link wurde beim letzten Durchgang geöffnet und noch einmal gegen diesen Text gelesen. Wenn eine Studie zum Beispiel Leistungssportler gemessen hat und keine Einsteiger, steht das im Artikel, statt verallgemeinert zu werden.

Geschrieben von Jan Luther — begeisterter Hobby-Freediver und seit 2010 Entwickler von Apnea Trainer. Über diesen Blog erklärt, wie die Quellen ausgewählt werden; im Impressum stehen die Kontaktdaten für Korrekturen. Alle Artikel

Häufige Fragen

Funktioniert Apnoetraining wirklich?

Ja, und der Effekt ist groß. Eine Meta-Analyse aus 10 Protokollen und 8 Studien fand für die statische Apnoezeit ein Hedges g von 1,30 (95-%-KI 0,85 bis 1,76). Drei verschiedene Methodenfamilien brachten Verbesserungen, keine einzelne stach heraus.

Wie lange dauert es bis zu Ergebnissen?

Etwa zwei Wochen. Zwei unabhängige Studien mit rund 14 Tagen täglicher Trocken-Holds fanden beide große Veränderungen – einmal plus 70 Prozent Gesamt-Apnoezeit, einmal eine um 59,7 Prozent längere Struggle-Phase.

Steigert Apnoetraining den Hämoglobinwert wie Höhentraining?

Auf dieser Zeitskala nicht. Engan et al. (2013) maßen Hämatokrit und Hämoglobin vor und nach zwei Wochen täglichem Training und fanden keine Veränderung. Die frühen Zugewinne sind autonom und psychologisch, nicht hämatologisch.

Welcher Teil des Holds verbessert sich durch Training?

Der unangenehme. Bei O'Croinin et al. (2025) bewegte sich die Easy-Going-Phase vor der ersten Kontraktion kaum (26 auf 30 Sekunden, p = 0,329), während die Struggle-Phase von 18 auf 45 Sekunden stieg.

Über Apnea Trainer

Apnea Trainer ist eine Apnoe-Trainings-App für iPhone, Apple Watch und Android. Sie führt dich durch getaktete Atemzyklen und baut progressive Tabellen rund um deine Bestzeiten. Auf der Apple Watch läuft die ganze Session am Handgelenk — mit Live-Herzfrequenz und haptischem Feedback für jede Phase.

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