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Was die Wissenschaft zum Apnoetraining sagt: 4 Studien verständlich erklärt

Vier peer-reviewte Studien zum Apnoetraining, sauber gelesen: was sich wirklich verbessert, wie schnell, wie groß der Effekt ist – und welche beliebten Behauptungen die Daten nicht stützen.

Jan Luther
10. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit
Balkendiagramm gemessener Trainingseffekte: +70 % Gesamt-Apnoezeit, +150 % Struggle-Phase, +60 % Struggle-Phase

Ja, Apnoetraining wirkt – und die Zeitskala beträgt etwa zwei Wochen. Die peer-reviewte Literatur zeigt für trockenes Apnoetraining einen großen Effekt auf die statische Haltezeit (Hedges g = 1,30), einen verbesserten Tauchreflex, eine langsamere Entsättigung – und einen Großteil der frühen Wirkung auf psychologischer, nicht hämatologischer Ebene. Hier sind die vier Studien, die man kennen sollte, was jede gemessen hat – und was keine davon zeigt.

1. O’Croinin et al. 2025 — +70 % in 13 Tagen, fast alles mental

22 Anfänger:innen trainierten 13 Tage lang und kombinierten Atemstopps mit gezieltem psychologischem Coaching (Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism, 2025, DOI 10.1139/apnm-2025-0033).

MessgrößeVorherNachherp
Gesamt-Apnoezeit44 ± 21 s75 ± 33 s< 0,001
Easy-Going-Phase26 ± 12 s30 ± 17 s0,329
Struggle-Phase18 ± 18 s45 ± 34 s< 0,001
Tauchbradykardie−10 ± 11 bpm−20 ± 13 bpm< 0,001
HF-Reaktion auf Stroop-Test10 ± 7 bpm6 ± 5 bpm0,009

Lies die zweite Zeile noch einmal. Der bequeme Teil des Holds veränderte sich nicht signifikant. Der gesamte sichtbare Fortschritt kam aus der Struggle-Phase, die sich mehr als verdoppelte. Was das Training bewirkte, betraf vor allem das Verhältnis zum Unbehagen.

Die letzte Zeile ist der stille Star. Ein Stroop-Test ist ein kognitiver Stressor ohne jeden Bezug zur Atmung – und die Herzfrequenzreaktion darauf war nach zwei Wochen Apnoetraining gedämpft. Das ist ein Transfereffekt: Die Fähigkeit blieb nicht in ihrer Schublade.

2. Bourdas & Geladas 2024 — Novizen gegen Elite

Zehn Novizen und elf Elite-Apnoetaucher:innen absolvierten zwei Wochen trockenes Apnoetraining (Respiratory Physiology & Neurobiology 319:104168; PMID 37797907).

Tägliche Maximal-Apnoen verlängerten die Struggle-Phase um durchschnittlich 59,7 %. Die Vergleichsgruppe ist hier entscheidend: Trainierte können den Atemreiz weit über den physiologischen Breakpoint hinaus unterdrücken – also über den Punkt, an dem Untrainierte längst einatmen würden. Diese Fähigkeit ist trainierbar, und der Abstand zwischen Novizen und Elite ist überwiegend ein Toleranz- und kein Lungenvolumen-Unterschied.

3. Engan et al. 2013 — der Tauchreflex wird schneller, das Blut ändert sich nicht

Untrainierte trainierten zwei Wochen lang täglich (Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 2013, 23:340–348). Zwei Befunde:

  • Die Tauchbradykardie setzte rund 3 Sekunden früher ein. Der sauerstoffsparende Herzfrequenzabfall kam früher im Hold.
  • Die Entsättigung verlief langsamer. Bei gleicher Haltedauer und ähnlichem Lungenvolumen lag das Nadir-SpO₂ vor dem Training bei 84 %, danach bei 89 % – derselbe Hold kostete weniger Sauerstoff.

Und der Negativbefund, wohl der nützlichste Satz dieses Artikels: Hämatokrit und Hämoglobin änderten sich in zwei Wochen nicht. Die beliebte Erzählung, ein paar Wochen Atemstopps brächten einen EPO-artigen Blutschub, ist nicht gedeckt. Milzkontraktion und langfristige höhentrainingsartige Anpassungen sind eigene Fragen auf eigenen Zeitskalen; zwei Wochen Trockentabellen leisten das nicht.

4. Massini et al. 2022 — die Meta-Analyse

Ein systematisches Review mit Meta-Analyse (PROSPERO CRD42021230322) bündelte 10 Protokolle aus 8 Studien mit 138 Teilnehmenden (Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 62).

Der Effekt auf die statische Apnoezeit war groß: Hedges g = 1,30; 95-%-KI 0,85–1,76; p < 0,01. Alle drei untersuchten Trainingsformen – reines Atemanhalten, körperliches Training und Cross-Training – führten zu Verbesserungen, ohne dass sich eine als die beste herauskristallisierte.

Dieser letzte Satz ist keine Enttäuschung, sondern eine klare Ansage fürs Training. Wenn keine Methode grundsätzlich überlegen ist, dann ist die richtige die, die zu deinem Ausgangswert, deinem Kalender und deiner Erholung passt – genau deshalb ist ein Plan, der sich an die Person anpasst, mehr wert als eine feste Tabelle aus dem Forum.

Was das für dein Training bedeutet

6-Wochen-Progression im Überblick

Stell deine Baseline ein und sieh, wie ein progressiver Plan die Haltezeit Woche für Woche skaliert. Die App erstellt und justiert das automatisch.

Woche Zielhaltezeit Schwerpunkt
1 1:05 Entspannung & Breathe-up
2 1:10 CO₂-Toleranz, kurze Pausen
3 1:15 CO₂-Toleranz, längere Holds
4 1:20 Toleranz in der Struggle-Phase
5 1:25 Gemischte CO₂-/O₂-Arbeit
6 1:30 Maximalversuch & Deload

Verwendete Skalierung: Haltezeit = Baseline × (1 + 0,09 × Woche)

Vier praktische Schlüsse:

  1. Erwarte Bewegung in 2–6 Wochen. Beide Trainingsstudien mit 14 Tagen Arbeit zeigten große Veränderungen. Wenn sechs Wochen konsequentes Training nichts bringen, ist die zu prüfende Variable die Konstanz, nicht die Genetik.
  2. Trainiere die Struggle-Phase, nicht die Easy-Phase. Die Easy-Going-Phase ist kurzfristig weitgehend festgelegt. Der Zugewinn liegt in der Toleranz – wofür CO₂-Tabellen gemacht sind.
  3. Psychologie ist kein weiches Extra. In der einzigen Studie, die sie gezielt coachte, trug sie das Ergebnis.
  4. Miss immer gleich. Effekte dieser Größe gehen in verrauschten Messungen leicht unter. Nutze einen wiederholbaren Baseline-Test.

Was die Studien nicht hergeben

Wer sich auf Studien beruft, muss auch sagen, wo sie aufhören:

  • Sie sagt nicht, dass Apnoetraining im Wasser ohne Aufsicht sicher wäre. Dass all diese Studien an Land stattfanden, ist kein Zufall.
  • Sie zeigt in zwei Wochen keine bessere Sauerstofftransportkapazität des Blutes (Engan maß das Gegenteil).
  • Sie kürt keine beste Methode (Massini hat gesucht und keine gefunden).
  • Die Stichproben sind klein – 10 bis 22 Personen pro Studie, 138 zusammengenommen. Die Effekte sind groß und einheitlich, aber die Forschung dazu ist jung.

Quellen

  • O’Croinin, O. et al. (2025). Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism. DOI 10.1139/apnm-2025-0033
  • Bourdas, D. I. & Geladas, N. D. (2024). Respiratory Physiology & Neurobiology 319:104168. PMID 37797907
  • Engan, H. et al. (2013). Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 23:340–348.
  • Massini, D. A. et al. (2022). Journal of Sports Medicine and Physical Fitness 62. PROSPERO CRD42021230322.
Über Apnea Trainer

Apnea Trainer ist eine Apnoe-Trainings-App für iPhone und Apple Watch. Sie führt dich durch getaktete Atemzyklen, baut progressive Tabellen rund um deine Bestzeiten und läuft komplett am Handgelenk — mit Live-Herzfrequenz und haptischem Feedback für jede Phase.

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